16 Gedanken zu “Gehirnfurz #058: Grundeinstellung

  1. Das ist die Frage danach, ob der Mensch „a priori“ gewisse Merkmale auf den Weg mitbekommt oder als „Tabula Rasa“ geboren wird, die dann von der Gesellschaft geformt werden kann.

    Am Ende ist man, wer man sein WILL.

    • Genau. Oder ob der Mensch von Natur aus gut ist oder böse.
      Mir gings auch darum:
      Bei Depressionen, ist da der Mensch eigentlich stark oder glücklich und redet sich schwach und unglücklich? Also ist er überhaupt „eigentlich“ etwas? Oder ist er dann de facto „schwach“ und unglücklich, weil die Gedanken ein Teil von ihm sind.

      • Das ist eine Frage, mit der ich mich auch schon länger beschäftige: bin ich in Wirklichkeit die, die Angst hat, oder die, die mutig ist?
        Ich glaube mittlerweile, dass es kein „eigentlich“ gibt. Wir sind so, wie wir uns fühlen, und wenn es zwei verschiedene Dinge sind, dann fühlen wir uns verunsichert. Als ob es das nicht geben dürfte. Vielleicht sind wir auch alle nur Babushkas mit zig vielen Versionen von uns selbst. Chapeau also für die tolle Metapher!

      • Der Mensch ist in dem Moment schwach und unglücklich. Aber wenn er das früher nicht war, dann heißt das nicht, dass das jetzt der richtige Zustand ist. Ich habe auch persönliche Erfahrung mit Menschen, die an Depressionen leiden/litten. Das Glück kann immer zurück kommen.

        • So seh ich das auch. Es wird immer irgendwann gut. (vielleicht wirds dann auch wieder schlechter, aber nur weils vorher gut war. Und danach wirds auch wieder gut)

          Ich kann mir aber auch vorstellen, dass man als depressiver (oder unglücklicher) Mensch sich NOCH unglücklicher „denkt“, wenn man sich vorstellt, dass man eigentlich glücklich wäre und es sich aktiv schlecht denkt. Ohne es zu wollen. Dass man selbst „Schuld“ hat am Mangel an Glück, weil man sich aktiv etwas nimmt.
          Dabei kann es sein, dass man dann wirklich unglücklich IST.

          Anyway, das ist eine endlose Überlegung. Aber es ist interessant, drüber nachzudenken. Über das Glück.

          • Ja, das mit dem aktiv schlecht denken kenne ich nur zu gut. Immer schön hereinsteigern in ein Extrem. Ich glaube Leute nennen das „launisch“.

  2. Eine sehr philosophische Frage.

    Ich denke es ist wie bei den Börsenkursen. Man hat den Tageskurs, der Hin und Her schwankt, und die sogenannte 200Tages-Linie, die den Durchschnittskurs der letzten 200 Tage angibt. Jede Tagesschwankung beeinflusst die 200Tageslinie um ein zweihunderstel. Wenn man also 200 Tage lang völlig andere Emotionen und Gedanken hat, passt sich die Grundeinstellung allmählich dem an.

    Ich hoffe die Analogie war verständlich^^

  3. gibt es eine innere grundeinstellung: ja. ist diese durch gedanken/gefühle zu ändern? glaub‘ nicht. ich bin überzeugt davon, dass das viel mit der erziehung zu tun hat. und dem wetter. wie soll man zu einer optimistischen grundeinstellung kommen, wenn man z.b. in der jugend gehänselt wird, man den eltern egal ist und in einem ort wohnt, wo nie die sonne scheint? schicksalsschläge oder lebensumstände prägen einen so sehr, dass es nur schwer ist diese prägung zu ändern. selbst wenn man das will. schopenhauer sagte so schön: man kann zwar tun was man will aber nicht wollen was man will …
    aber dran arbeiten kann man. und sich mit optimistischen freunde umgeben, vielleicht färbt ja was ab. ;)

    • Ja, so würd ich’s auch immer sagen als knallharter Idealist. Es mag so oder so sein, wichtig ist, dass man dran arbeitet. Und arbeitet und arbeitet und arbeitet. Gemütswandel sind gar nicht so schwer möglich, ich habe schon viele Leute dabei begleitet, das sollte ja Beweis genug sein.

      • Ich denke natürlich auch, dass Gemütswandel zu erreichen sind.
        Aber manchmal kann man nicht so gut an sich arbeiten… dann gerät man in eine Traurigkeitsspirale!
        Vor allem hier in der „First World“, wo man dann so viel Zeit hat sich in eine Wanne voller Selbstmitleid zu legen (und das meine ich nicht abschätzig) und das ganze Gute zu übersehen.

        Oder man hat es nie gelernt, wie Martin sagt. Kleine Dinge schätzen zu wissen. Oder selbstbewusst zu sein.

  4. Ich hab die philodingsbumsfrage übrigens erst nicht verstanden.
    Ich bin überzeugt, dass es nicht den einen Gefühls-Zustand oder die eine innere Grundeinstellung gibt. Erfahrungen haben mich geprägt, neue Erfahrungen können da was drehen. Wichtig finde ich, was sagt das über eine Person bzw. über mich aus, wenn ich anscheinend auf der Suche nach dem einen inneren festmeiselbaren Zustand bin. Welches Bedürfnis habe ich, dass ich ein essentielles Wissen über mich in der Hand halten will? Was wäre mein Gewinn?
    Meine essentiellen Erkenntnisse: Grundsätzliche Dinge die Mensch und sein Gehirn mögen, sind a) positive Verstärkung und b) Kausalketten. Wenn die beiden Sachen zusammen flutschen, is alles supi. Und wenn irgendwas harkt, fördert unser Gehrin, dass Mensch sich auf die Nichtfunktionierende Einheit („DAS PROBLEM“) konzentriert, um irgendeine wenigstens heuristische Kausalkette („DEN GRUND“) zu finden. Das fördert wiederum, dass wir die tollen funktionierenden Einheiten weniger und weniger bemerken und unser Horizont dunkler und dunkler wird. Da versagt Mensch grad nicht, sondern er bemerkt eben nur nicht rechtzeitig, dass ein eigentlich nützlicher Problemerkannt-Problemgebannt-Problemlösungsmechanismus in einer Schleife hängt.
    Sich wieder mehr an Stärken und positiven Lebensinhalten zu orientieren, kann im gewissen Maß immer gelingen.
    Weitere Erkenntnisse:
    Wenn man bedenkt, was für einen extremen negativen Einfluss ein anderer Mensch auf mich und mein Wohlbefinden haben kann, dann kann und muss ein Mensch auch sehr viel positiven Einfluss auf mein Wohlbefinden haben. Also: Keiner muss sich aufbürden, alles allein hinkriegen zu müssen. Auch das sich besser fühlen. Grade das.
    Der Mensch ist ein soziales und ein vernunftbegabtes Wesen.
    Schwarz-weiss-denken jeglicher Art ist nur die Anfänger-Stufe epistemologischen Überzeugungen. Weiter ist, wer grauer denkt und urteilt. (Zur Frage nach dem Gut und Böse).
    Nachsicht gegen sich selbst ist supertoll und superschwierig.
    Amen :-)

    • Die Einstellung, dass ein anderer dann auch einen positiven Einfluss haben MUSS, finde ich sehr schön!
      Danke für deine interessanten Gedanken zu dem pseudophilosophischen Gehirnfurz.
      (ich fass mich einfach mal kurz :) )

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